Gesundheit

Schwangerschaft Monat für Monat: Baby im Mutterleib

Aus angegebenen Quellen zusammengestellt und geprüft, von unserem Redaktionsteam überprüft. · Zuletzt aktualisiert:

Wer die Entwicklung des Babys im Mutterleib Monat für Monat nachliest, merkt schnell: die Quellen widersprechen sich. Eine Seite schreibt, das Kind sei im sechsten Monat 21 cm groß, die nächste nennt 30 cm. Eine Tabelle gibt für den vierten Monat 80 Gramm an, eine andere 140. Das ist kein Schlampigkeitsfehler: Die Angaben werden an unterschiedlichen Punkten gemessen (Scheitel-Steiß oder Scheitel-Ferse), und wie viele Wochen ein “Monat” umfasst, wird ebenfalls unterschiedlich gehandhabt.

Dieser Ratgeber räumt das zuerst aus dem Weg. Danach erklärt er, wie ein Baby überhaupt entsteht, und geht jeden Monat von 1 bis 9 einzeln durch: welches Organ wann entsteht, wie groß und schwer das Kind am Monatsende ist, was sich im Körper der Mutter verändert und welche Vorsorgeuntersuchung in diesem Monat ansteht. Ein eigener Abschnitt beantwortet die Frage, die die meisten Ratgeber auslassen: wo genau das Baby in jedem Monat im Bauch liegt und wann sich seine Lage festlegt. Am Ende stehen die drei meistgesuchten Themen: Kindsbewegungen, Wachstumsverzögerung (IUGR) und die richtige Ernährung.

ℹ️

Dieser Text dient der Information. Alle Längen-, Gewichts- und Wochenangaben sind Durchschnittswerte; jedes Kind wächst in seinem eigenen Tempo, und ein einzelner Messwert ist kein Urteil über die Gesundheit. Entscheidungen zu Ihrer Schwangerschaft trifft die Ärztin oder der Arzt, der Sie betreut. Bei Blutungen, starken Bauchschmerzen, Fruchtwasserabgang, Fieber oder deutlich weniger Kindsbewegungen gehen Sie ohne Verzögerung in die Praxis oder Klinik.

🤰 Kurz gefasst
Gesamtdauer40 Wochen ≈ 280 Tage ab dem 1. Tag der letzten Regel
Trimester1.-13. · 14.-27. · 28.-40. SSW
HerzschlagIm Ultraschall meist ab 6.-7. SSW sichtbar
Erste Kindsbewegungen18.-20. SSW (beim zweiten Kind 16.-18.)
LebensfähigkeitAb etwa der 24. SSW mit Intensivmedizin
Bei der Geburt≈ 50 cm · 3.000-3.500 g
MessregelBis ~20. SSW Scheitel-Steiß, danach Scheitel-Ferse

Im wievielten Monat bin ich? SSW in Monate umrechnen

Gerechnet wird in Schwangerschaftswochen (SSW), denn die Zählung beginnt am ersten Tag der letzten Regelblutung, und jede Woche hat eine konkrete Entwicklungsbedeutung. Im Alltag fragt aber jeder nach dem Monat. Die Umrechnung:

MonatSSWTrimester
1. Monat1.-4. SSW1. Trimester
2. Monat5.-8. SSW1. Trimester
3. Monat9.-13. SSW1. Trimester
4. Monat14.-17. SSW2. Trimester
5. Monat18.-22. SSW2. Trimester
6. Monat23.-27. SSW2. Trimester
7. Monat28.-31. SSW3. Trimester
8. Monat32.-35. SSW3. Trimester
9. Monat36.-40. SSW3. Trimester

Dauert eine Schwangerschaft neun oder zehn Monate?

Beides lässt sich begründen, weil zwei verschiedene “Monate” im Umlauf sind:

  • Kalendermonate: 280 Tage sind etwa neun Monate und eine Woche. Deshalb spricht man umgangssprachlich von neun Monaten.
  • Mondmonate zu vier Wochen: 40 ÷ 4 = zehn. Viele Fachtexte teilen die Schwangerschaft in zehn Vier-Wochen-Blöcke; daher die Tabellen, die bis “10. Monat” laufen.

Das ist der erste Grund für widersprüchliche Angaben: Der “8. Monat” der einen Quelle ist das Ende des 7. Monats der anderen. Verlässlich ist immer die SSW-Angabe.

Wichtig: SSW werden im Format “12+3” angegeben

Im Mutterpass steht nicht einfach “12. Woche”, sondern zum Beispiel 12+3 — also zwölf abgeschlossene Wochen und drei Tage. Wer “in der 13. Woche” ist, hat zwölf Wochen hinter sich. Diese Zählweise sorgt regelmäßig für Verwirrung, ist aber der medizinische Standard.

Den Entbindungstermin berechnen

Üblich ist die Naegele-Regel: vom ersten Tag der letzten Regel drei Monate zurück, dann sieben Tage dazu. Begann die letzte Regel am 10. März, ist der errechnete Termin der 17. Dezember. Rechnerisch identisch: 280 Tage addieren.

Die Regel setzt einen regelmäßigen 28-Tage-Zyklus voraus. Bei längeren, kürzeren oder unregelmäßigen Zyklen verschiebt sich der Termin — deshalb ist die Scheitel-Steiß-Länge im Ultraschall des ersten Trimesters die genaueste Datierung, und der Termin wird gegebenenfalls danach korrigiert.

Warum unterscheiden sich die Größenangaben so stark?

Die zweite und wichtigere Ursache ist die Messmethode. Im Mutterleib liegt das Kind zusammengekrümmt, die Beine angezogen; sie zum Messen zu strecken, ist in den ersten Monaten unmöglich. Deshalb gilt:

  • Bis etwa zur 20. SSW wird die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) gemessen — vom Kopf bis zum Steiß.
  • Ab der 20. SSW ist das Kind gestreckt genug, und man misst Scheitel-Ferse.

Der Unterschied ist erheblich: In der 20. SSW misst ein Kind 16-17 cm Scheitel-Steiß, aber 25-26 cm Scheitel-Ferse. Dasselbe Kind, dieselbe Woche, zwei völlig verschiedene Zahlen.

📏

Fragen Sie bei jeder Tabelle: von wo bis wo wurde gemessen? Wer "21 cm im sechsten Monat" schreibt, meint Scheitel-Steiß; wer "30 cm" schreibt, meint Scheitel-Ferse. In diesem Ratgeber gilt bis zur 20. SSW Scheitel-Steiß, danach Scheitel-Ferse — und in jeder Tabelle steht dabei, welches Maß gemeint ist.

Und noch eine Toleranz: Das im Ultraschall angegebene Gewicht ist eine Schätzung. Es wird aus Kopfumfang, Bauchumfang und Oberschenkelknochenlänge berechnet und weicht typischerweise um 10 bis 15 Prozent vom tatsächlichen Geburtsgewicht ab. “Mein Kind ist 200 Gramm zurück” liegt oft innerhalb dieser Fehlerspanne — Ärztinnen und Ärzte beurteilen deshalb den Verlauf über mehrere Messungen, nicht einen Einzelwert.

Wie entsteht ein Baby im Mutterleib?

Bevor es Monat für Monat weitergeht, lohnt der genaue Blick auf die ersten zwei Wochen. Die Entstehung ist kein einzelner Moment, sondern eine Kette über rund vierzehn Tage — und sie läuft fast vollständig ab, bevor ein Test irgendetwas anzeigt.

  • Etwa Zyklustag 14
    Eisprung. Ein reifer Follikel platzt und gibt die Eizelle frei. Sie ist nur 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig; Spermien überleben dagegen bis zu fünf Tage — das macht das fruchtbare Fenster länger, als viele denken.
  • Am selben oder nächsten Tag
    Befruchtung. Ei- und Samenzelle verschmelzen im weiten Ende des Eileiters. Von Millionen Spermien dringt nur eines ein; im selben Moment verändert sich die Eihülle und schließt alle anderen aus. Die entstandene Zelle heißt Zygote. Das Geschlecht wird genau hier festgelegt — die Eizelle trägt immer ein X, das Spermium ein X oder ein Y.
  • Tag 1-4
    Zellteilung. Die Zygote wandert Richtung Gebärmutter und teilt sich: 2, 4, 8, 16 Zellen. Die Gesamtgröße wächst dabei noch nicht, nur die Zellzahl. Das 16-zellige, maulbeerartige Stadium heißt Morula.
  • Tag 5-6
    Die Blastozyste erreicht die Gebärmutter. Sie ist nun eine flüssigkeitsgefüllte Kugel: Die inneren Zellen werden zum Kind, die äußeren zur Plazenta. Diese Arbeitsteilung beginnt so früh.
  • Tag 6-10
    Einnistung. Die Blastozyste gräbt sich in die Gebärmutterschleimhaut ein, meist an der oberen Hinterwand. Manche Frauen bemerken dabei eine leichte, hellrosa Schmierblutung. Ab jetzt wird hCG gebildet — das Hormon, das jeder Schwangerschaftstest misst.
  • 3.-10. SSW
    Embryonalzeit. Neuralrohr, Herz, Gliedmaßenknospen, Augen, Ohren und die Anlagen sämtlicher innerer Organe entstehen jetzt. In dieser Phase ist die Schwangerschaft am empfindlichsten gegenüber äußeren Einflüssen.
  • Ab der 10. SSW
    Fetalzeit. Es entstehen keine neuen Organe mehr. Was da ist, wächst, reift und nimmt seine Funktion auf. Das ist die Aufgabe der verbleibenden dreißig Wochen.

Wie entstehen Zwillinge? Werden zwei Eizellen von zwei Spermien befruchtet, entstehen zweieiige Zwillinge, die sich in Geschlecht und Aussehen unterscheiden können. Teilt sich eine einzelne Zygote früh, entstehen eineiige Zwillinge mit identischer Erbanlage.

Auf einen Blick: Größe und Gewicht pro Monat

1
1. Monat
1.-4. SSW · Mohnkorn
  • Größe≈ 2 mm
  • GewichtNicht messbar
2
2. Monat
5.-8. SSW · Himbeere
  • Größe1,5-2 cm (SSL)
  • Gewicht≈ 1-2 g
3
3. Monat
9.-13. SSW · Pflaume
  • Größe7-8 cm (SSL)
  • Gewicht20-25 g
4
4. Monat
14.-17. SSW · Avocado
  • Größe11-13 cm (SSL)
  • Gewicht100-140 g
5
5. Monat
18.-22. SSW · Banane
  • Größe25-28 cm (Scheitel-Ferse)
  • Gewicht300-450 g
6
6. Monat
23.-27. SSW · Maiskolben
  • Größe30-36 cm (Scheitel-Ferse)
  • Gewicht600-1.000 g
7
7. Monat
28.-31. SSW · Aubergine
  • Größe37-41 cm (Scheitel-Ferse)
  • Gewicht1.000-1.600 g
8
8. Monat
32.-35. SSW · Ananas
  • Größe42-46 cm (Scheitel-Ferse)
  • Gewicht1.700-2.400 g
9
9. Monat
36.-40. SSW · Kürbis
  • Größe47-51 cm (Scheitel-Ferse)
  • Gewicht2.600-3.500 g

Für alle, die es genauer verfolgen möchten, die Wochenwerte:

SSWGrößeGemessenGewicht
81,6 cmScheitel-Steiß≈ 1 g
103,1 cmScheitel-Steiß≈ 4 g
125,4 cmScheitel-Steiß≈ 14 g
148,7 cmScheitel-Steiß≈ 43 g
1611,6 cmScheitel-Steiß≈ 100 g
1814,2 cmScheitel-Steiß≈ 190 g
2025,6 cmScheitel-Ferse≈ 300 g
2227,8 cmScheitel-Ferse≈ 430 g
2430,0 cmScheitel-Ferse≈ 600 g
2635,1 cmScheitel-Ferse≈ 760 g
2837,6 cmScheitel-Ferse≈ 1.005 g
3039,9 cmScheitel-Ferse≈ 1.320 g
3242,4 cmScheitel-Ferse≈ 1.700 g
3445,0 cmScheitel-Ferse≈ 2.150 g
3647,4 cmScheitel-Ferse≈ 2.620 g
3849,8 cmScheitel-Ferse≈ 3.080 g
4051,2 cmScheitel-Ferse≈ 3.460 g

Der Sprung in der 20. SSW ist kein Wachstumsschub, sondern der Wechsel der Messmethode. Die Zahlen sind Mittelwerte üblicher fetaler Wachstumskurven; viele gesunde Kinder kommen deutlich darüber oder darunter zur Welt.[1][2]

1. Monat (1.-4. SSW): Befruchtung und Einnistung

Das Verblüffendste an diesem Monat: In den ersten zwei Wochen sind Sie noch gar nicht schwanger. Weil ab der letzten Regel gezählt wird, bereitet der Körper in SSW 1 und 2 lediglich den Eisprung vor.

In diesem Monat beim Kind:

  • Um die 2. SSW: Ein Follikel reift heran und platzt; die Eizelle wird frei.
  • 3. SSW: Im Eileiter findet die Befruchtung statt. Die Zygote teilt sich auf dem Weg zur Gebärmutter.
  • 3.-4. SSW: Die Blastozyste nistet sich in der Gebärmutterschleimhaut ein. Manche Frauen halten die begleitende Schmierblutung für die Regel.
  • Ende der 4. SSW: Der Embryo misst rund 2 mm — so groß wie ein Mohnkorn. Fruchthöhle und die Vorstufen der Plazenta bilden sich.

In diesem Monat bei Ihnen: Mit der Einnistung beginnt die hCG-Produktion. Ein Bluttest kann schon wenige Tage vor der ausbleibenden Regel positiv sein, ein Urintest ist ab etwa drei bis fünf Tagen nach dem Ausbleiben zuverlässig. Leichtes Ziehen, Spannen in der Brust und ungewohnte Müdigkeit sind häufig.

Das steht jetzt an: Wer eine Schwangerschaft plant oder gerade davon erfahren hat, sollte sofort Folsäure einnehmen — das Neuralrohr schließt sich in der 5. bis 7. SSW, also bevor die meisten Frauen überhaupt Bescheid wissen. Empfohlen werden 400 µg täglich, idealerweise schon vier Wochen vor der Empfängnis. Rauchen und Alkohol beenden; Medikamente nicht eigenmächtig absetzen oder weiternehmen, sondern ärztlich klären.

2. Monat (5.-8. SSW): Das Herz beginnt zu schlagen

Der kritischste Monat, denn jetzt werden alle Organanlagen gebildet. Die Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten, Infektionen und Alkohol ist zwischen der 5. und 10. SSW am größten.

In diesem Monat beim Kind:

  • 5. SSW: Das Neuralrohr — Vorstufe von Gehirn und Rückenmark — schließt sich. Die ersten Herzmuskelzellen beginnen zu kontrahieren.
  • 6.-7. SSW: Der Herzschlag wird im Ultraschall sichtbar (etwa 110-160 Schläge pro Minute). Arm- und Beinknospen erscheinen, Augen- und Ohranlagen entstehen.
  • 8. SSW: Die Finger sind noch mit Häutchen verbunden, trennen sich aber bereits. Nase, Oberlippe und Augenlider zeichnen sich ab. Größe: 1,5-2 cm Scheitel-Steiß, Gewicht 1-2 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Übelkeit setzt meist um die 6. SSW ein und erreicht in der 9.-10. SSW ihren Höhepunkt. Typisch sind Geruchsempfindlichkeit, metallischer Geschmack, häufiger Harndrang und starkes Schlafbedürfnis. Bei den meisten Frauen lässt die Übelkeit ab der 12.-14. SSW nach.

Das steht jetzt an: Die erste Vorsorgeuntersuchung liegt üblicherweise zwischen der 8. und 10. SSW — dabei wird der Mutterpass ausgestellt, der Sie die gesamte Schwangerschaft begleitet. Zum Programm gehören Blutgruppe und Rhesusfaktor, Antikörper-Suchtest, Blutbild, Röteln-Immunität, Hepatitis B, HIV und Syphilis (Lues-Suchreaktion) sowie Urin- und Blutdruckkontrolle. Das 1. Basis-Ultraschall-Screening ist für 8+0 bis 11+6 SSW vorgesehen.

3. Monat (9.-13. SSW): Vom Embryo zum Fötus

Die 10. SSW ist eine Schwelle: Medizinisch endet die Embryonalzeit, die Fetalzeit beginnt. Alle Organe sind angelegt; ab jetzt geht es um Wachstum und Reifung.

In diesem Monat beim Kind:

  • Die Schwimmhäutchen zwischen den Fingern verschwinden vollständig, Nagelbetten entstehen.
  • Die Nieren nehmen die Arbeit auf; das Kind gibt Urin ins Fruchtwasser ab.
  • Der Darm wandert aus der Nabelschnur in die Bauchhöhle zurück. Zahnleisten bilden sich.
  • Die äußeren Geschlechtsorgane differenzieren sich, im Ultraschall ist das Geschlecht in diesem Monat aber noch nicht zuverlässig erkennbar.
  • Das Kind bewegt sich bereits — es strampelt, streckt sich, hat Schluckauf — nur spüren Sie davon noch nichts.
  • Ende der 13. SSW: 7-8 cm Scheitel-Steiß, 20-25 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Das Fehlgeburtsrisiko sinkt zum Monatsende deutlich. Die Gebärmutter steigt aus dem Becken auf, der Unterbauch wölbt sich leicht. Die Übelkeit lässt in der Regel nach.

Das steht jetzt an: Die 11. bis 14. SSW ist das wichtigste Screening-Fenster. Beim Ersttrimesterscreening werden Nackentransparenz (NT) im Ultraschall und Blutwerte kombiniert, um das Risiko für Trisomie 21, 18 und 13 zu berechnen. Alternativ oder ergänzend gibt es den NIPT (nicht-invasiver Pränataltest) aus dem mütterlichen Blut ab der 10. SSW; er ist seit 2022 in begründeten Einzelfällen Kassenleistung. Beides sind Screenings, keine Diagnosen: Bei erhöhtem Risiko wird über Chorionzottenbiopsie (11.-14. SSW) oder Fruchtwasseruntersuchung (ab 15. SSW) gesprochen.

4. Monat (14.-17. SSW): Das Geschlecht wird sichtbar

Für die meisten Frauen beginnt die angenehmste Phase: Die Übelkeit ist vorbei, der Bauch noch nicht schwer.

In diesem Monat beim Kind:

  • Die Gesichtsmuskulatur arbeitet; das Kind runzelt die Stirn, kneift die Augen zusammen, macht Mimik.
  • Der Körper überzieht sich mit Lanugo, einem feinen Flaum, der die schützende Käseschmiere auf der Haut hält.
  • Fingerabdrücke entstehen — und verändern sich ein Leben lang nicht mehr.
  • Die Knochen verhärten, das Skelett ist im Ultraschall deutlich zu sehen. Das Kind kann am Daumen nuckeln.
  • Das Geschlecht ist in der 16.-18. SSW meist eindeutig zu erkennen (abhängig von der Lage).
  • Ende der 17. SSW: 11-13 cm Scheitel-Steiß, 100-140 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Der Appetit kehrt zurück. Verstopfte Nase, empfindliches Zahnfleisch und eine dunkle Linie auf dem Bauch (Linea nigra) sind hormonell bedingt und harmlos. Wer schon einmal geboren hat, spürt womöglich am Monatsende die ersten Bewegungen.

Das steht jetzt an: Blutdruck, Gewicht, Urin und Hämoglobin werden bei jedem Vorsorgetermin kontrolliert; ab jetzt alle vier Wochen. Wer kein Ersttrimesterscreening hatte, kann über weitere Tests sprechen. Viele Frauen suchen sich in diesem Monat ihre Hebamme — in beliebten Regionen ist das früh sinnvoll.

5. Monat (18.-22. SSW): Erste Bewegungen und der große Ultraschall

Die Hälfte ist geschafft, und zwei Meilensteine fallen in diesen Monat: Sie spüren Ihr Kind zum ersten Mal, und die gründlichste Ultraschalluntersuchung der Schwangerschaft steht an.

In diesem Monat beim Kind:

  • Das Gehör entwickelt sich. Ab der 18.-20. SSW nimmt das Kind Herzschlag, Darmgeräusche und Stimmen von außen wahr; in den Folgewochen reagiert es auf vertraute Stimmen mit Bewegung.
  • Die Haut überzieht sich mit Vernix caseosa (Käseschmiere), die sie vor dem Fruchtwasser schützt.
  • Bei Mädchen liegen Gebärmutter und Eierstöcke an ihrem Platz, die Eizellen sind angelegt; bei Jungen bereiten sich die Hoden auf den Abstieg vor.
  • Im Darm sammelt sich Mekonium (Kindspech).
  • 20. SSW: Umstellung auf Scheitel-Ferse — etwa 25-26 cm und 300 Gramm. Ende der 22. SSW 27-28 cm und 430 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Die ersten Kindsbewegungen kommen beim ersten Kind meist in der 18.-20. SSW, bei weiteren Schwangerschaften in der 16.-18. SSW. Anfangs fühlen sie sich wie Schmetterlinge oder Blubbern an. Liegt die Plazenta an der Vorderwand, kann es einige Wochen länger dauern — das ist normal.

Das steht jetzt an: Das 2. Basis-Ultraschall-Screening ist für 18+0 bis 21+6 SSW vorgesehen. Auf Wunsch gibt es dabei die erweiterte Form, den Feinultraschall (Organscreening), bei dem Gehirn, Herzkammern, Wirbelsäule, Nieren, Magen, Arm- und Beinknochen, Lippen-Kiefer-Gaumen-Region, Sitz der Plazenta und Fruchtwassermenge einzeln beurteilt werden.[4]

6. Monat (23.-27. SSW): Die Grenze der Lebensfähigkeit

In diesen Monat fällt die emotional schwerste Schwelle: Ab etwa der 24. SSW kann ein Kind mit moderner Neugeborenen-Intensivmedizin außerhalb des Mutterleibs überleben. Mit jeder weiteren Woche steigen die Chancen deutlich.

In diesem Monat beim Kind:

  • In der Lunge beginnt die Produktion von Surfactant. Dieser Stoff verhindert das Kollabieren der Lungenbläschen und ist bei einer Frühgeburt entscheidend.
  • Die Augenlider trennen sich, das Kind öffnet und schließt die Augen (etwa 26. SSW).
  • Die Hirnrinde bildet rasch Windungen; die Hörbahnen reifen, laute Geräusche lösen ein Zusammenzucken aus.
  • Die Haut ist noch rot und faltig, weil das Unterhautfettgewebe erst entsteht.
  • Ende der 27. SSW: etwa 35-36 cm Scheitel-Ferse, 900-1.000 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Die Bewegungen sind von außen tastbar. Rückenschmerzen, Sodbrennen, Wadenkrämpfe und schmerzlose, unregelmäßige Übungswehen (Braxton-Hicks) können beginnen.

Das steht jetzt an: Zwischen der 24. und 28. SSW wird der Zuckertest durchgeführt. In Deutschland ist der 50-g-Suchtest Kassenleistung; ist er auffällig, folgt der orale Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g. Unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann zu einem sehr großen Kind (Makrosomie) und Geburtskomplikationen führen — dieser Test sollte nicht ausgelassen werden.

7. Monat (28.-31. SSW): Fett wird eingelagert

Das dritte Trimester beginnt. Von nun an geht es um Wachsen, Zunehmen und die Reifung der Lunge.

In diesem Monat beim Kind:

  • Unter der Haut lagert sich braunes Fettgewebe ein; die Falten glätten sich, die Farbe geht von Rot zu Rosa über.
  • Regelmäßige Schlaf-Wach-Rhythmen stellen sich ein. Sie merken, dass die Bewegungen sich auf bestimmte Tageszeiten häufen.
  • Die Augen reagieren auf Licht; bei einer hellen Lampe auf dem Bauch kann sich das Kind hinwenden.
  • Das Knochenmark übernimmt die Bildung roter Blutkörperchen vollständig.
  • Die meisten Kinder gehen jetzt in Schädellage über, haben zum Drehen aber noch Platz.
  • Ende der 31. SSW: etwa 41 cm Scheitel-Ferse, 1.500-1.600 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Kurzatmigkeit, Sodbrennen, geschwollene Beine und Einschlafprobleme nehmen zu. Aus der Brust kann Kolostrum (Vormilch) austreten.

Das steht jetzt an: In der 28. SSW erhalten rhesusnegative Frauen die Anti-D-Prophylaxe. Das 3. Basis-Ultraschall-Screening ist für 28+0 bis 31+6 SSW vorgesehen. Ab jetzt beginnen Sie, die Kindsbewegungen regelmäßig zu beobachten — wie das geht, steht weiter unten. Die Vorsorgetermine rücken auf alle zwei Wochen zusammen. Gute Zeit, sich mit dem Mutterschutz zu befassen: Er beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Termin und endet acht Wochen nach der Geburt.

8. Monat (32.-35. SSW): Die Lunge reift

In diesem Monat beim Kind:

  • Die Lunge reift rasch; das Kind macht Atembewegungen mit Fruchtwasser.
  • Die Fingernägel erreichen die Fingerkuppen. Der Lanugoflaum fällt aus.
  • Die Schädelknochen bleiben bewusst weich und beweglich, damit sie sich beim Durchtritt durch den Geburtskanal übereinanderschieben können. Die übrigen Knochen verhärten.
  • Das Kind legt Eisen-, Kalzium- und Antikörperdepots an; diese Antikörper tragen seine Immunabwehr durch die ersten Lebensmonate.
  • Weil der Platz knapp wird, ändert sich der Charakter der Bewegungen: statt Tritten eher Schieben, Drehen und Strecken. Die Häufigkeit darf nicht abnehmen.
  • Ende der 35. SSW: etwa 46 cm Scheitel-Ferse, 2.300-2.400 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Die Übungswehen werden häufiger. Die Kurzatmigkeit erreicht ihren Höhepunkt, weil die Gebärmutter gegen das Zwerchfell drückt; sie lässt nach, sobald das Kind ins Becken rutscht.

Das steht jetzt an: Zwischen der 35. und 37. SSW wird ein Abstrich auf B-Streptokokken (GBS) angeboten. In Deutschland ist das eine IGeL-Leistung, also in der Regel selbst zu zahlen; bei positivem Befund erhalten Sie unter der Geburt Antibiotika über die Vene. Droht eine Frühgeburt, kann zur Lungenreifung Kortison gegeben werden.

9. Monat (36.-40. SSW): Bereit für die Geburt

In diesem Monat beim Kind:

  • Ab der 37. SSW gilt das Kind als “früher Termin”; die Organe sind weitgehend bereit.
  • Käseschmiere und Lanugo fallen größtenteils ab; Verschlucktes wird Teil des Kindspechs.
  • Saugen und Schlucken werden koordiniert — deshalb kann das Kind direkt nach der Geburt trinken.
  • Das Kind rutscht ins Becken (Senkwehen). Beim ersten Kind meist zwei bis vier Wochen vor der Geburt, bei weiteren erst unter der Geburt.
  • Es nimmt rund 200 Gramm pro Woche zu. In der 40. SSW im Mittel 51 cm und 3.400-3.500 Gramm.

In diesem Monat bei Ihnen: Nach dem Tiefertreten atmet es sich leichter, dafür müssen Sie häufiger zur Toilette. Der Abgang des Schleimpfropfs kann bedeuten, dass die Geburt in den nächsten Tagen beginnt — ein Zeitplan ist es nicht. Echte Wehen kommen regelmäßig, werden dichter und verschwinden nicht beim Positionswechsel.

Das steht jetzt an: Die Termine werden wöchentlich. Mit dem CTG werden Herztöne und Wehentätigkeit aufgezeichnet; Fruchtwassermenge und Kindslage werden kontrolliert. Nach Überschreiten der 41. SSW wird über eine Einleitung gesprochen.

Wo liegt das Baby im Bauch? Monat für Monat

“Wo ist mein Kind gerade?” hat zwei Antworten: wie weit die Gebärmutter im Bauch nach oben gewachsen ist und wie das Kind darin liegt. Beides ändert sich Monat für Monat.

Wie hoch steht die Gebärmutter?

Der Fundusstand — der Abstand vom Schambein zum oberen Rand der Gebärmutter — wird bei jeder Vorsorge gemessen und in den Mutterpass eingetragen. Ab der 20. SSW entspricht der Wert in Zentimetern ungefähr der Schwangerschaftswoche (±2 cm). Er ist der früheste und einfachste Hinweis auf eine mögliche Wachstumsverzögerung.

MonatWohin reicht die Gebärmutter?Wie es aussieht
1.-2. MonatNoch im kleinen BeckenKeine sichtbare Veränderung; Gebärmutter etwa zitronengroß
3. Monat (12. SSW)Direkt über dem Schambein tastbarUnterbauch wölbt sich leicht
4. Monat (16. SSW)Mitte zwischen Schambein und NabelDer Bauch wird erstmals bemerkt
5. Monat (20. SSW)Auf NabelhöheDeutlich sichtbar; Umstieg auf Umstandsmode
6. Monat (24. SSW)Knapp oberhalb des NabelsBauch wird runder, Nabel kann hervortreten
7. Monat (28. SSW)Etwa drei Finger über dem NabelKurzatmigkeit und Sodbrennen beginnen
8. Monat (32.-35. SSW)Zwischen Nabel und RippenbogenBauch am breitesten
9. Monat (36. SSW)Höchster Stand — unter dem RippenbogenDruck aufs Zwerchfell am stärksten
9. Monat (38.-40. SSW)Sinkt um 1-2 cm, wenn das Kind ins Becken rutschtAtmen fällt leichter, Harndrang steigt

Beim ersten Kind wird der Bauch meist in der 16. bis 20. SSW sichtbar; wer schon geboren hat, sieht ihn wegen der gedehnten Bauchmuskulatur oft schon in der 12. bis 16. SSW. Dass zwei Frauen in derselben Woche völlig unterschiedlich aussehen, ist normal und sagt nichts über die Gesundheit des Kindes.

Wann legt sich die Lage des Kindes fest?

Bis etwa zum sechsten Monat wechselt das Kind ständig die Position — bei einer Untersuchung Schädellage, bei der nächsten Beckenendlage. Es hat Platz für Purzelbäume. Endgültig entscheidet sich die Lage im achten und neunten Monat:

  • Schädellage (Kopf unten): die Lage für die Geburt. Zum Termin liegen etwa 96 Prozent der Kinder so.
  • Beckenendlage (BEL): Po oder Füße voran. In der 28. SSW liegt rund ein Viertel der Kinder in Beckenendlage, im achten Monat sinkt der Anteil deutlich, zum Geburtstermin sind es nur noch 3 bis 4 Prozent. “Mein Kind liegt falsch herum” im siebten Monat ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit vorübergehend.
  • Querlage: Das Kind liegt quer. Zum Termin selten.

Bleibt es nach der 36.-37. SSW bei der Beckenendlage, kann eine äußere Wendung angeboten werden: Unter Ultraschallkontrolle wird das Kind von außen gedreht. Die Erfolgsrate liegt beim ersten Kind bei etwa 40, bei weiteren bei rund 60 Prozent. Gelingt sie nicht, wird der Geburtsmodus gemeinsam geplant.

🧭

Wo die Tritte ankommen, verrät die Lage. Kräftige Tritte unter dem Rippenbogen und weichere Bewegungen im Unterbauch sprechen für Schädellage. Kommen die starken Tritte dagegen tief, in Richtung Blase, liegt eher eine Beckenendlage vor. Das ist eine Schätzung — Gewissheit liefert der Ultraschall oder das Abtasten nach den Leopold-Handgriffen.

Die Trimester im Überblick

1. Trimester (1.-13.)2. Trimester (14.-27.)3. Trimester (28.-40.)
HauptaufgabeOrgane anlegenWachstum und SinneZunehmen, Lungenreifung
Größe/Gewicht2 mm → 8 cm / 25 g8 cm → 36 cm / 1.000 g36 cm → 51 cm / 3.500 g
MeilensteinHerzschlag (6.-7. SSW)Erste Bewegungen (18.-20.), Lebensfähigkeit (≈24.)Termin (ab 37.)
Zentrale Untersuchung1. Screening + NT (11.-14.)2. Screening / Feinultraschall (18.-22.)3. Screening (28.-32.), Zuckertest (24.-28.)
Typisch für SieÜbelkeit, MüdigkeitErleichterung, KindsbewegungenKurzatmigkeit, Übungswehen
HauptrisikoFehlgeburtsrisiko am höchstenFrühgeburtsrisiko beginntPräeklampsie, Wachstumsverzögerung

Vorsorgekalender: Welche Untersuchung in welcher SSW?

Die Mutterschafts-Richtlinien sehen Vorsorgetermine alle vier Wochen bis zur 32. SSW, danach alle zwei Wochen und nach dem Termin alle zwei Tage vor. Bei jedem Termin: Blutdruck, Gewicht, Urin, Hämoglobin, Fundusstand und Herztöne.

SSWWas ansteht
8-10Erstuntersuchung, Mutterpass: Blutgruppe/Rhesus, Antikörper-Suchtest, Blutbild, Röteln, Hepatitis B, HIV, Lues, Urin
8+0-11+61. Basis-Ultraschall-Screening
ab 10NIPT (nicht-invasiver Pränataltest), auf Indikation Kassenleistung
11-14Ersttrimesterscreening (Nackentransparenz + Blutwerte); ggf. Chorionzottenbiopsie
ab 15Fruchtwasseruntersuchung, nur bei Indikation
18+0-21+62. Basis-Screening, auf Wunsch als Feinultraschall
24-28Zuckertest (50-g-Suchtest, bei Auffälligkeit 75-g-oGTT)
28Anti-D-Prophylaxe bei Rhesus-negativ; Antikörper-Suchtest wiederholen
28+0-31+63. Basis-Ultraschall-Screening
35-37B-Streptokokken-Abstrich (IGeL)
36-40Wöchentliche Termine, CTG, Lage- und Fruchtwasserkontrolle

Bei Risikoschwangerschaften — Mehrlinge, Bluthochdruck, Diabetes, frühere Frühgeburt, Wachstumsverzögerung — wird engmaschiger kontrolliert und zusätzlich Doppler-Ultraschall eingesetzt.

Wann beginnen Kindsbewegungen, und wie zählt man sie?

Bewegt wird sich schon ab der 8. SSW, spürbar wird es erst mit genug Masse dahinter. Beim ersten Kind typischerweise in der 18.-20. SSW, bei weiteren Schwangerschaften in der 16.-18. SSW. Wenn Sie bis zur 24. SSW nichts spüren, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Hebamme darauf an.

Gezählt wird ab der 28. SSW (bei Risikoschwangerschaften ab der 26.). Die gängige Methode:

  1. Wählen Sie die Tageszeit, zu der Ihr Kind am aktivsten ist — meist nach dem Essen oder abends.
  2. Legen Sie sich auf die linke Seite oder setzen Sie sich bequem hin.
  3. Zählen Sie Tritte, Drehungen, Schieben und Strecken. Zehn Bewegungen innerhalb von zwei Stunden gelten als beruhigend.
  4. Wiederholen Sie das täglich zur selben Zeit; entscheidend ist das gewohnte Muster Ihres Kindes.
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Warten Sie nicht ab. Wenn die Bewegungen im Vergleich zum gewohnten Muster deutlich weniger werden, wenn Sie in zwei Stunden keine zehn zählen oder wenn sich der Charakter plötzlich ändert, melden Sie sich noch am selben Tag in der Praxis oder Klinik. "Ich habe morgen ohnehin einen Termin" ist die falsche Entscheidung — nachlassende Kindsbewegungen sind für sich genommen ein Grund zur Abklärung. Etwas Süßes zu essen, um das Kind zu "wecken", ersetzt keine Untersuchung.

Die Vorstellung, dass die Bewegungen im letzten Trimester weniger werden, ist ein hartnäckiger und gefährlicher Irrtum: Die Art der Bewegung ändert sich, weil der Platz knapp wird — die Häufigkeit nimmt vor der Geburt nicht ab.

Was ist eine fetale Wachstumsverzögerung (IUGR)?

Erreicht ein Kind nicht das für seine Schwangerschaftswoche erwartete Wachstum, spricht man von intrauteriner Wachstumsretardierung (IUGR), heute meist fetale Wachstumsrestriktion (FGR). Erstes Warnzeichen ist ein Schätzgewicht unter der 10. Perzentile.

Klein sein und zurückbleiben sind nicht dasselbe. Diese Unterscheidung ist entscheidend:

Konstitutionell klein (SGA)Wachstumsrestriktion (FGR)
UrsacheGenetik — kleine ElternPlazentainsuffizienz, Erkrankung, Infektion
WachstumskurveKlein, aber verläuft gleichmäßigKurve flacht ab oder fällt
DopplerUnauffälligDurchblutung kann gestört sein
FruchtwasserNormalKann vermindert sein
PrognoseMeist gesundEngmaschige Überwachung nötig

Häufige Ursachen: Plazentainsuffizienz (am häufigsten), Präeklampsie und chronischer Bluthochdruck, schlecht eingestellter Diabetes, Nieren- und Herzerkrankungen, schwere Anämie, Rauchen, Alkohol und Drogen, bestimmte Infektionen (CMV, Toxoplasmose, Röteln), Mehrlingsschwangerschaften sowie chromosomale oder strukturelle Besonderheiten beim Kind.

Wie wird es erkannt? Ein Fundusstand, der deutlich unter der Schwangerschaftswoche liegt, macht stutzig. Die genaue Beurteilung erfolgt per Ultraschall: Kopfumfang, Bauchumfang und Oberschenkelknochen werden gemessen, das Gewicht geschätzt und eine Wachstumskurve erstellt. Der Doppler-Ultraschall prüft die Durchblutung in der Nabelschnur und in den Hirngefäßen des Kindes — der wertvollste Frühindikator einer Plazentainsuffizienz.

Was wird getan? Ein Medikament, das ein Kind schneller wachsen lässt, gibt es nicht. Der Ansatz hat drei Teile:

  1. Die Ursache behandeln: Blutdruck und Blutzucker einstellen, Rauchstopp, Anämie behandeln.
  2. Engmaschig überwachen: Wachstumskontrolle alle ein bis zwei Wochen, Doppler, CTG und biophysikalisches Profil.
  3. Den Geburtszeitpunkt bestimmen: Verschlechtern sich die Befunde, kann eine vorzeitige Entbindung sicherer sein als das Fortführen der Schwangerschaft. Diese Abwägung trifft ausschließlich das geburtshilfliche Team.

Bettruhe und spezielle “Aufbaudiäten” haben sich nicht als wirksam erwiesen. Früh erkennen ist die wirksame Maßnahme — deshalb sollten Vorsorgetermine nicht ausfallen.

Was sollte man für die Entwicklung des Babys essen?

Der verbreitetste Irrtum ist “für zwei essen”. Der Kalorienbedarf steigt weit weniger als angenommen: im ersten Trimester praktisch gar nicht, im zweiten um etwa +340 kcal täglich, im dritten um +450 kcal. Das ist ein Glas Milch mit einer Handvoll Walnüssen oder eine Scheibe Vollkornbrot mit Käse. Worauf es ankommt, ist Nährstoffdichte, nicht Kalorienmenge.

Die entscheidenden Nährstoffe:

NährstoffWofürWoher
FolsäureVerhindert Neuralrohrdefekte (Verschluss in der 5.-7. SSW)Grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Zitrusfrüchte + 400 µg Supplement
EisenErhöhtes Blutvolumen, kindliche DepotsRotes Fleisch, Linsen, Haferflocken, Trockenobst (mit Vitamin C)
KalziumKnochen und ZähneMilchprodukte, Sesam, Brokkoli, kalziumreiches Mineralwasser
Vitamin DErmöglicht die KalziumverwertungSonne + Supplement; über Lebensmittel kaum zu decken
Omega-3 (DHA)Gehirn- und AugenentwicklungLachs, Hering, Sardine (2 Portionen/Woche), Walnüsse, Leinöl
JodGehirnentwicklung und SchilddrüseJodiertes Speisesalz, Milchprodukte, Seefisch
ProteinGewebeaufbau, PlazentaEier, Fleisch, Geflügel, Hülsenfrüchte, Milchprodukte

Was gemieden werden sollte:

  • Rohes und nicht durchgegartes Fleisch, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte — also kein Mett, Tatar, Carpaccio, Räucherlachs oder Sushi; ebenso Saucen mit rohem Ei (Listeriose, Salmonellen, Toxoplasmose).
  • Rohmilch und daraus hergestellte Weichkäse; bei Käse mit Rotschmiere und Schimmelrinde ist Vorsicht geboten, die Rinde immer entfernen.
  • Quecksilberreiche Fische: Schwertfisch, Hai, Thunfisch, Königsmakrele. Fettreiche Fische mit wenig Quecksilber (Lachs, Hering, Sardine) sind dagegen ausdrücklich empfohlen.
  • Alkohol: Es gibt keine als sicher geltende Menge.
  • Koffein: höchstens 200 mg pro Tag (etwa ein bis zwei Tassen Filterkaffee). Tee, Cola, Energydrinks und Schokolade zählen mit.
  • Leber wegen des sehr hohen Vitamin-A-Gehalts, besonders im ersten Trimester.
  • Kräutertees und Nahrungsergänzung: “pflanzlich” heißt in der Schwangerschaft nicht automatisch unbedenklich; bitte ärztlich abklären.

Die Gewichtszunahme richtet sich nach dem BMI vor der Schwangerschaft: 12,5-18 kg bei Untergewicht, 11,5-16 kg bei Normalgewicht, 7-11,5 kg bei Übergewicht und 5-9 kg bei Adipositas. Bei Mehrlingen gelten andere Werte.

Hört und sieht das Baby im Mutterleib?

  • Hören: Das Gehör nimmt um die 18. SSW die Arbeit auf; ab der 24.-25. SSW nimmt das Kind Geräusche von außen deutlich wahr und zuckt bei lauten Geräuschen zusammen. Am besten hört es die Stimme der Mutter, weil diese zusätzlich über das Körpergewebe übertragen wird. Deshalb erkennen Neugeborene sie sofort wieder.
  • Sehen: Die Augenlider öffnen sich um die 26. SSW. In der Gebärmutter ist es dunkel, doch starkes Licht auf dem Bauch wird wahrgenommen, und das Kind kann sich hin- oder wegdrehen. Das Sehen reift nach der Geburt am langsamsten.
  • Schmecken und Riechen: Ab der 15.-20. SSW schluckt das Kind Fruchtwasser, in das die Aromen der mütterlichen Nahrung übergehen. Für kräftige Aromen wie Knoblauch oder Anis wurde gezeigt, dass sie das Schluckverhalten verändern — eine frühe Prägung, die nach der Geburt nachwirkt.
  • Tasten: der früheste Sinn. Ab der 14. SSW berührt das Kind sein Gesicht und greift nach der Nabelschnur; ab der 24. SSW kann es auf eine Hand auf dem Bauch mit Bewegung antworten.

Musik vorzuspielen oder mit dem Bauch zu sprechen macht ein Kind nicht klüger; Produkte, die das versprechen, sind ihr Geld nicht wert. Sicher, schön und bindungsfördernd ist es trotzdem.

Frühgeburt, Termin und die Fragen zu “vor der 40. Woche”

Die Geburtswoche ist der stärkste Einzelfaktor dafür, wie bereit ein Kind ist. Die aktuellen Definitionen:[3]

KategorieSSWBedeutung
Frühgeburtvor 37+0Atem- und Ernährungsunterstützung können nötig sein
Früher Termin37+0 bis 38+6Gilt als termingerecht, Atemprobleme etwas häufiger
Termin39+0 bis 40+6Das Fenster mit dem geringsten Risiko
Später Termin41+0 bis 41+6Engmaschigere Überwachung
Übertragungab 42+0Risiko der Plazentainsuffizienz steigt

Diese Einteilung wurde 2013 eingeführt und hat die Praxis konkret verändert: Ohne medizinischen Grund wird eine geplante Entbindung (Kaiserschnitt oder Einleitung) vor 39+0 nicht empfohlen. Kinder aus der 37. SSW sind ebenfalls gesund, aber Lungen- und Hirnreifung machen in diesen letzten zwei Wochen messbare Fortschritte.

Die Lebensfähigkeit beginnt um die 24. SSW und steigt steil: Mit intensivmedizinischer Betreuung überleben in der 24. SSW etwa die Hälfte der Kinder, ab der 28. SSW über 90 Prozent, ab der 32. nähern sich die Werte denen von Termingeborenen. Die Zahlen hängen von der Klinik und vom Zustand des Kindes ab.

Verbreitete Irrtümer

BehauptungWas stimmt
”Über 140 Schläge heißt Mädchen”Nein. Die fetale Herzfrequenz hängt von der SSW und der momentanen Aktivität ab; ein Zusammenhang mit dem Geschlecht ist nicht belegt.
”Spitzer Bauch heißt Junge”Die Bauchform ergibt sich aus der Kindslage, der Bauchmuskulatur und dem Körperbau der Mutter.
”Man muss für zwei essen”Der Bedarf steigt im 2. Trimester um ≈ 340, im 3. um ≈ 450 kcal. Der Rest bleibt als Gewicht zurück.
”Sport ist in der Schwangerschaft riskant”Bei unkompliziertem Verlauf werden etwa 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche empfohlen. Ausnahmen: Kontaktsport und Sturzgefahr.
”Ultraschall schadet dem Kind”Medizinischer Ultraschall gilt als sicher. Nur nicht-medizinisches “Baby-Fernsehen” über lange Zeit wird abgeraten — seit 2021 ist gewerbliches 3D/4D-Babyfernsehen in Deutschland ohnehin verboten.
”Starkes Sodbrennen heißt viele Haare”Eine kleine Studie fand einen schwachen Zusammenhang, möglicherweise über Östrogen. Vorhersagewert hat er nicht.
”Ein Schreck zeichnet das Kind”Muttermale haben Gefäß- oder Pigmentursachen; mit Emotionen der Mutter haben sie nichts zu tun.
”Am Ende bewegt sich das Kind kaum noch”Die Art der Bewegung ändert sich, die Häufigkeit nicht. Weniger Bewegung gehört immer abgeklärt.
”Vollmond löst Geburten aus”Große Registerauswertungen finden keinen Zusammenhang zwischen Mondphase und Geburtenzahl.

Häufige Fragen

Wie entsteht ein Baby im Mutterleib? Die beim Eisprung freigesetzte Eizelle verschmilzt im Eileiter mit einer Samenzelle — die entstehende Zelle heißt Zygote. Sie teilt sich auf dem Weg zur Gebärmutter, erreicht diese am 5. bis 6. Tag als Blastozyste und nistet sich zwischen dem 6. und 10. Tag in der Schleimhaut ein; ab da wird hCG gebildet. Die 3. bis 10. SSW ist die Embryonalzeit (Organe entstehen), ab der 10. SSW bis zur Geburt die Fetalzeit (Wachstum und Reifung).

Wie groß ist das Baby im 1. Monat? Am Ende der 4. SSW misst der Embryo nur etwa 2 mm — so groß wie ein Mohnkorn. In dieser Größe zeigt der Ultraschall meist nur die Fruchthöhle, nicht das Kind selbst.

Wo liegt das Baby im 1. Monat? Der Zellhaufen ist aus dem Eileiter in die Gebärmutter gewandert und hat sich in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet, meist an der oberen Hinterwand. Die Gebärmutter liegt noch im kleinen Becken und ist von außen nicht tastbar.

Wo liegt das Baby im 3. Monat? Um die 12. SSW steigt die Gebärmutter aus dem Becken auf und ist direkt über dem Schambein tastbar. Das Kind schwimmt frei in der Fruchthöhle und hat keine feste Lage.

Wo liegt das Baby im 5. Monat? Um die 20. SSW erreicht der obere Rand der Gebärmutter Nabelhöhe, dort befindet sich auch das Kind. Die Lage ist nicht festgelegt — bei so viel Platz kann es innerhalb eines Tages Schädel-, Becken- und Querlage einnehmen. “Liegt falsch herum” bedeutet in diesem Monat noch nichts.

Wo liegt das Baby im 6. Monat? Um die 24. SSW steht die Gebärmutter knapp über dem Nabel. Mehr als ein Viertel der Kinder liegt noch in Beckenendlage, was völlig normal ist; die meisten drehen sich bis zum achten Monat von selbst.

Wo liegt das Baby im 7. Monat? In der 28. SSW steht der obere Rand der Gebärmutter etwa drei Finger über dem Nabel. Die meisten Kinder gehen jetzt in Schädellage über, haben aber noch Platz: In der 28. SSW liegt etwa ein Viertel in Beckenendlage, zum Termin nur noch 3-4 Prozent.

Wie groß ist das Baby im 3. Monat? Am Ende der 13. SSW misst es 7-8 cm Scheitel-Steiß und wiegt 20-25 Gramm — etwa so groß wie eine Pflaume. Alle Organe sind angelegt, die Fetalzeit hat begonnen.

Was passiert im 2. Schwangerschaftsmonat? Am Ende der 8. SSW ist das Kind 1,5-2 cm groß und wiegt 1-2 Gramm. Der Herzschlag ist im Ultraschall sichtbar, Arm- und Beinknospen sind angelegt, die Gesichtszüge zeichnen sich ab. Weil in diesem Monat alle Organanlagen entstehen, ist er der empfindlichste der gesamten Schwangerschaft.

Wie weit ist das Baby im 4. Monat? Am Ende der 17. SSW misst es 11-13 cm Scheitel-Steiß und wiegt 100-140 Gramm. Fingerabdrücke entstehen, die Mimik arbeitet, der Körper ist von Lanugo bedeckt. Das Geschlecht ist in der 16.-18. SSW meist erkennbar.

Wie schwer ist das Baby im 8. Monat? Zwischen der 32. und 35. SSW wiegt es 1.700-2.400 Gramm bei 42-46 cm. Die Lunge reift, das Kind legt Eisen- und Kalziumdepots an.

Wie groß ist das Baby in der 7. SSW? Etwa 1 cm — so groß wie eine Heidelbeere. Der Herzschlag ist in dieser Woche im Ultraschall sichtbar, Arm- und Beinknospen sind deutlich ausgebildet.

Was passiert in der 16. SSW? Das Kind misst rund 11,5 cm Scheitel-Steiß und wiegt 100 Gramm. Es macht Mimik, kann am Daumen nuckeln, das Skelett ist im Ultraschall klar zu sehen. Wer bereits geboren hat, spürt ab dieser Woche womöglich die ersten Bewegungen.

Was passiert in der 31. SSW? Etwa 41 cm Scheitel-Ferse und 1.500-1.600 Gramm. Der Schlaf-Wach-Rhythmus ist etabliert, Unterhautfett wird eingelagert. In dieser Woche geborene Kinder haben sehr gute Überlebenschancen, brauchen aber eine Zeit lang Intensivbetreuung.

Ist das Baby in der 36. SSW fertig entwickelt? In der 36. SSW ist es etwa 47 cm groß und wiegt 2.600 Gramm; die Organe sind weitgehend bereit. Medizinisch beginnt der “Termin” jedoch erst mit 37+0, und das risikoärmste Fenster liegt bei 39+0 bis 40+6. Ohne medizinischen Grund sollte eine Entbindung nicht vor 39+0 geplant werden.

Was sollte ich für die Entwicklung meines Babys essen? Bauen Sie Ihre Mahlzeiten um Folsäure, Eisen, Kalzium, Vitamin D, Jod, Protein und Omega-3 (DHA) auf: grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte, rotes Fleisch, zwei Portionen fettreichen Seefisch pro Woche, Nüsse und Vollkorn. Der Kalorienbedarf steigt im 2. Trimester um etwa 340, im 3. um 450 kcal. Meiden Sie Rohes und Halbgares, Rohmilchprodukte, quecksilberreichen Fisch, Leber und Alkohol; Koffein unter 200 mg täglich halten.

Lässt sich eine Wachstumsverzögerung wieder aufholen? Das hängt von der Ursache ab. Werden Bluthochdruck oder Diabetes der Mutter eingestellt und das Rauchen beendet, kann sich die Wachstumskurve verbessern. Bei Plazentainsuffizienz gibt es keine Behandlung, die ein Kind schneller wachsen lässt; hier zählen engmaschige Überwachung und der richtige Geburtszeitpunkt. Früh erkannte Fälle haben deutlich bessere Verläufe.

Ab wann sieht man das Geschlecht? Im Ultraschall ist es ab etwa der 16. bis 18. SSW zuverlässig zu erkennen, abhängig von der Lage des Kindes. Der NIPT kann die Geschlechtschromosomen ab der 10. SSW bestimmen, ist aber primär ein Chromosomen-Screening.

Mein Kind bewegt sich weniger — was tun? Nicht abwarten. Wenn die Bewegungen im Vergleich zum gewohnten Muster deutlich weniger werden oder Sie in zwei Stunden keine zehn zählen, melden Sie sich noch am selben Tag in der Klinik. Nachlassende Kindsbewegungen sind für sich genommen ein Abklärungsgrund.

Hört mein Baby meine Stimme? Ja. Das Gehör beginnt um die 18. SSW zu arbeiten, ab der 24.-25. SSW werden Geräusche deutlich wahrgenommen. Ihre Stimme wird zusätzlich über das Körpergewebe übertragen und ist deshalb der Laut, den Ihr Kind am besten hört — Neugeborene erkennen sie sofort wieder.

Quellen

  1. American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) — How Your Fetus Grows During Pregnancy
  2. Cleveland Clinic — Fetal Development: Stages of Growth
  3. ACOG Committee Opinion No. 579 — Definition of Term Pregnancy
  4. IQWiG / gesundheitsinformation.de — Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft
  5. NHS — Pregnancy: Week by Week Guide
  6. StatPearls / NCBI Bookshelf — Fetal Movement
  7. StatPearls / NCBI Bookshelf — Breech Presentation
Kategorien:Gesundheit

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